Abrechnungsmodell VEWA: Neu auch für Strom im Eigenverbrauch!

Energie- und Wasserkosten in Mehrfamilienhäusern gerecht verteilen? Seit Mitte 2017 bietet EnergieSchweiz mit dem Modell zur verbrauchsabhängigen Energie- und Wasserkostenabrechnung (VEWA) dafür eine zeitgemässe Lösung.

Dieses Modell wurde nun um die Abrechnung des Eigenverbrauchs erweitert. Denn seit Anfang 2018 können Gebäude mit eigener Stromproduktion (zumeist Solarstrom) den Strom direkt vor Ort verbrauchen und den Nutzern über die Nebenkostenabrechnung verrechnen. Das Elektrizitätswerk ist dabei nur noch für die Hauptmessung zuständig und stellt der Eigentümerschaft eine Gesamtrechnung für den Netzbezug inklusive Vergütung der Einspeisung. Die Messung und Abrechnung der Nutzobjekte (Wohnungen, Gewerbe) liegt in der Verantwortung der Eigentümerschaft. Die Abrechnung übernimmt in der Regel ein Dienstleistungsunternehmen im Auftrag der zuständigen Liegenschaftsverwaltung. 

 

Dabei stellen sich Fragen; Wie wird der Tarif für den Eigenverbrauch berechnet? Welche Messungen sind vorzusehen? Wie ist die Abrechnung zu gestalten? Auf diese und weitere Fragen gibt die neue Broschüre zur VEWA Antworten. Download oder Bestellung der Broschüre via www.energieschweiz.ch oder hier via Downloadseite. 

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Universitätsstudie: Neubauten bergen grosses Verschwendungspotential!

In Deutschland, wo sämtliche Gebäude seit 2007 über einen Energieausweis verfügen müssen, zeigen sich massive Unterschiede zwischen sogenannten Energieverbrauchsausweisen und Energiebedarfsausweisen. Beim verbrauchsbasierten Energieausweis wird auf den tatsächlichen Verbrauch abgestellt. Beim bedarfsbasierten Energieausweis wird der erwartete Verbrauch ermittelt, entsprechend dem energetischen Standard. Dabei wird ein normiertes Benutzerverhalten unterstellt.

Jetzt zeigt sich, dass in teil- und unsanierten Gebäuden oft weniger Energie verbraucht wird, als im Energiebedarfsausweis errechnet. Die Bewohner haben sich sparsamer verhalten, als im Modell unterstellt wird. Im Gegensatz dazu zeigt sich in sanierten und neuen Gebäuden, dass der effektive Verbrauch häufig über dem errechneten Energiebedarf liegt. Dieses Phänomen wird als Rebound-Effekt bezeichnet.

Die technische Universität Dresden hat im Jahre 2013 dieses Verhalten durch eine grossangelegte Studie eindrücklich bestätigen können. Der Energieverbrauch für unterschiedliche Gebäudeklassen ist in einer Simulation errechnet worden. Dabei ist nach Grösse, Baualter und Versorgungsart differenziert und ein bestimmtes Nutzerverhalten unterstellt worden. Diese Daten sind mit real gemessenen Verbräuchen aus 3,3 Millionen Heizkostenabrechnungen verglichen worden.

 

Erst nach Anpassung der Simulationsparameter durch Variation von Raumtemperatur und Luftwechsel haben die tatsächlichen Verbrauchsdaten nachvollzogen werden können. Es zeigte sich, dass sich die Nutzer weitaus unterschiedlicher verhalten, als im standardisierten Verfahren unterstellt.  Sie sind in teil- und unsanierten Bauten sparsamer, indem sie die Beheizung stärker auf die Raumnutzung anpassen und bewusster lüften. In modernen Gebäuden hingegen schlägt der sogenannte Rebound-Effekt zu. Die Bewohner wissen, dass die Wohnung einen geringen Energiebedarf hat, woraus eine gewisse Laissez-Faire-Haltung resultiert. Der erwartete niedrige Energieverbrauch tritt so nicht ein.

 

Raumtemperaturen und Baustandard

 

"Verschwendungspotential" nach Baustandard

 

Diese Grafik zeigt die Messungen der Raumtemperaturen in den unterschiedlichen Gebäudeklassen. Dabei kann mit zunehmender energetischer Qualität, eine deutliche Erhöhung der mittleren Raumtemperatur festgestellt werden.

Eine Erhöhung der mittleren Raumtemperatur um 2 Kelvin wirkt sich auf die unterschiedlichen Gebäudealter und -qualitäten unterschiedlich aus. Die proportionale Verbrauchsänderung variiert von 19,1% bis 23,2%. Das heisst, in modernen Bauten ist der proportionale Einfluss des Nutzerverhaltens grösser als in Bestandesbauten.

 

Studie Uni Dresden 

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